Selbstverständnis

Auszug aus der Selbstverpflichtung der „Geprüften unabhängigen Hilfsmittelexperten / Case Manager“

Das Netzwerk der „Geprüften unabhängigen Hilfsmittelexperten/ Case Manager“ setzt auf die freiwillige Selbstkontrolle seiner Mitglieder. Zur Sicherung der Unabhängigkeit der Mitglieder  und Erreichung größerer Transparenz und damit zur Gewährleistung einer erhöhten Akzeptanz verpflichten sich die Mitglieder zur Einhaltung des geltenden Rechts und darüber hinaus zur Beachtung der in den folgenden Grundsätzen benannten Regeln des Netzwerks „Geprüfte unabhängige Hilfsmittelexperten  / Case Manager“ und der damit verbundenen Selbstverpflichtungserklärung. Zielsetzung dieser Selbstverpflichtung (Kodex) ist es, die Unabhängigkeit und das Ansehen der Hilfsmittelexperten zu wahren. Seine Regelungen sollen dem Hilfsmittelexperten helfen, im Spannungsfeld der nachfolgend beschriebenen Interessen die erforderliche Orientierung für eine gute, reflektierte und transparente Beratungspraxis zu finden.

Die Versorgung mit Hilfsmitteln ist besonders in komplexen Versorgungssituationen eine für Betroffene[1] und die beteiligten Akteure[2] nur schwer gut zu bewältigende Aufgabe. Zahlreiche Schnittstellenproblem müssen gelöst werden.

Da Menschen mit einem komplexen Hilfsmittelbedarf in der Regel auch weitergehende therapeutische, rehabilitative, pflegerische und lebenszielbezogenen Bedarfe haben, muss die Hilfsmittelversorgung stimmig in einen umfassenderen Hilfeplan integriert werden. Durch „Geprüfte unabhängige Hilfsmittelexperten / Case Manager “[3] (HiEx) steht ein besonders qualifiziertes Fachpersonal aus verschiedenen Berufsgruppen des Gesundheitswesens zur Verfügung, die die Methoden des Case Managements auf die besonderen Belange der Hilfsmittelversorgung anwenden können.

Der Hilfsmittelexperte ist kein eigener Beruf und soll keine neue Schnittstelle im Versorgungsprozess bilden. Zentrales Merkmal der Tätigkeit des Hilfsmittelexperten ist die unabhängige und neutrale Wahrnehmung seiner Aufgaben, wie sie in der vorliegenden Selbstverpflichtung der Mitglieder des Netzwerkes „Geprüfte unabhängige Hilfsmittelexperten / Case Manager“ und dem Leitfaden „Case Management in der Hilfsmittelversorgung“[4] näher beschrieben wird.

Im Sinne des Case Managements versteht sich der HiEx sowohl als Partner des Betroffenen, wie auch als Ansprechpartner und Zuarbeiter für andere an der Hilfsmittelversorgung beteiligte Personen, wie Verordner, Sachbearbeiter bei den Kostenträgern, Gutachter des MDK sowie Mitarbeiter bei Leistungserbringern und Gesundheitshandwerkern.

Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf die besonderen Problematiken der Hilfsmittelversorgung. Bei ihrer Tätigkeit sind die Hilfsmittelexperten einem Spannungsfeld ausgesetzt, das sich aus

  • den Erwartungen der Patienten bzw. Betroffenen und ihrer Angehörigen,
  • der Kostenträger und ihrer Verbände,
  • aus den Vorstellungen der Hersteller, Leistungserbringer und anderen Anbietern ,
  • aus den in den Gesetzen und dazugehörigen Verordnungen und Richtlinien niedergelegten Anforderungen sowie
  • aus den Erwartungen von Forschung und Wissenschaft zusammensetzt.

Hierbei unterliegt der Hilfsmittelexperte dem grundsätzlichen Widerspruch der prinzipiell unbegrenzten Wünschen und Erwartungen der Betroffen einerseits und den andererseits begrenzten Ressourcen der Solidargemeinschaft. In diesem Konfliktfeld positioniert sich der Hilfsmittelexperte im Sinne des Case Managements vorwiegend als „Anwalt“ der Patienten und Betroffenen bei gleichzeitiger Verantwortung gegenüber den gesellschaftlichen Ressourcen.

Generell zielt die Tätigkeit des HiEx nicht nur auf die Ausstattung mit Hilfsmitteln und technischen Produkten ab, sondern umfasst die Unterstützung des Betroffenen zu und bei einer selbstbestimmten Lebensführung (Empowerment). Der HiEx nimmt diese Aufgabe bereits dadurch wahr, indem er

  • die jeweils individuelle Zielsetzung und Wünsche des Betroffenen zum Ausgangspunkt seiner Tätigkeit macht (siehe auch Grundlagen der Zielorientierten Beratung im Leitfaden),
  • die Fähigkeit des Betroffenen zur Inanspruchnahme des Sozialsystems und
  • der effektiven Verwertung der ihm zugestandenen Ressourcen fördert;
  • ihn beim Erhalt und beim Ausbau seines persönlichen Netzwerkes unterstützt.

 

Selbstverpflichtung

 Eine grundsätzliche Orientierung erhält der Hilfsmittelexperte durch den Ethik-Kodex des ICN[1], und den weiteren Empfehlungen der dgcc[2] welche somit beide Bestandteil der Selbstverpflichtung werden. Weitere Anregungen sind dem „Kodex für die Gutachter der MDK-Gemeinschaft und des MDS“ entnommen.

§ 1 Grundlagen

 Geltungsbereich

Dieser Kodex gilt für alle geprüften unabhängigen Hilfsmittelexperten, die Mitglieder des Netzwerkes sind, unabhängig von den ihrer jeweiligen Tätigkeit zugrundeliegenden Rechtsverhältnissen (Arbeitsvertrag, Beamtenverhältnis, Dienstvertrag, Werkvertrag, freiberufliche oder ehrenamtliche Tätigkeit etc.).

 Rechtliche Grundlagen

Der Hilfsmittelexperte hat bei seiner Tätigkeit stets die Voraussetzungen nach den Vorgaben der Sozialgesetzbücher, der relevanten Richtlinien und sonstiger untergesetzlicher Normen, der Rechtsprechung, dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen und pflegerischen Erkenntnisse und der Technik sowie die von der Gemeinschaft der Hilfsmittelexperten gemeinsam entwickelten und beschlossenen Positionen zu beachten.

§ 2 Allgemeine Verhaltensweisen

 Unabhängigkeit, Befangenheit

Der Hilfsmittelexperte nimmt seine Aufgaben als Berater in dem hier gemeinten Sinne eigenverantwortlich wahr und ist in seinen Empfehlungen nicht an Weisungen Dritter gebunden. Dies gilt sowohl im Rahmen einer freien oder ehrenamtlichen Tätigkeit wie auch innerhalb eines Dienst-/Angestellten-verhältnisses.

Sofern Befangenheit oder der Anschein der Befangenheit vorliegen kann, etwa bei Interessenkonflikten, ist der jeweilige Auftrag abzulehnen bzw. an unbefangene Hilfsmittelexperten zu verweisen.

Der Hilfsmittelexperte darf von Leistungserbringern, Leistungsträgern, Betroffenen, Patienten und deren Angehörige etc. keine Geschenke oder sonstige Vorteile im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit fordern, sich versprechen lassen oder annehmen, weil dann Befangenheit oder der Anschein der Befangenheit vorliegen kann.

 Fachkompetenz

Der Hilfsmittelexperte hat sich durch Fort- und Weiterbildung in sachlich- und fachlicher Hinsicht stets am aktuellen Stand von Technik, Wissenschaft und Forschung sowie Recht zu orientieren.

Im Sinne des Case Managements erkennt der Hilfsmittelexperte rechtzeitig, wenn er zusätzliche Expertise – z.B. durch spezialisierte Gesundheitshandwerker – hinzuziehen muss.

Die Tätigkeiten und Empfehlungen des Hilfsmittelexperten sind gegenüber allen Beteiligten stets transparent und nachvollziehbar zu halten.


Auftreten der Hilfsmittelexperten

Der Hilfsmittelexperte soll seine Tätigkeiten so ausüben, dass dem Ansehen der Gemeinschaft der Hilfsmittelexperten in der öffentlichen Wahrnehmung kein Schaden zugefügt wird.


Wirtschaftliche Beziehungen zu Auftraggebern

Auftraggeber für einen Hilfsmittelexperten können alle Akteure (z. B. Patienten, Betroffene, Kostenträger, Leistungserbringer) sein. Zur Wahrung der Unabhängigkeit des Hilfsmittelexperten erfolgt die Honorierung der Tätigkeiten auf Basis eines vor Auftragserteilung fest vereinbarten Honorars. Dieses Honorar darf nicht von Erfolgs- oder Einsparzielen abhängig gemacht werden.

 

Datenschutz und Verschwiegenheit

Der Hilfsmittelexperte ist zur Verschwiegenheit verpflichtet. Dies bezieht sich insbesondere auf die allgemeine Schweigepflicht und den Sozialdatenschutz (§ 35 SGB I), dieser ist strikt zu wahren. Jedoch muss er auch über solche Geschäfts- oder Betriebsgeheimnisse Stillschweigen wahren, die nach dem Willen der jeweiligen Akteure (z. B. Leistungserbringer, Kostenträger) geheim zu halten sind. Diese Verpflichtung gilt nicht nur gegenüber Außenstehenden, sondern auch innerhalb eines Dienst-/Angestelltenverhältnisses. Sie gilt ferner auch für die Zeit nach Beendigung der jeweiligen Geschäfts-/ Beratungsbeziehung.

§ 3 Beziehung zu Patienten, Betroffenen und deren Angehörige

   …………………. Weitere Informationen auf Anfrage


[1] ICN, International Council of Nurses; siehe unter:  http://www.icn.ch/images/stories/documents/about/icncode_german.pdf

[2] dgcc, Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management; siehe unter: http://www.dgcc.de/dgcc/wb_std.html#anh1 und http://www.dgcc.de/download/dv_qs_cm.pdf

 

 



[1] Mit Betroffenen sind hier, soweit nicht ausdrücklich anders erwähnt, Menschen mit Hilfsmittelbedarf (Patienten, Klienten, Kunden, Bewohner etc.) sowie die Mitglieder seines persönlichen sozialen Netzes (Angehörige, Pflegepersonen, Helfer etc.) gemeint, die von oder mit der Anwendung eines Hilfsmittels betroffen bzw. befasst sind.

[2] Der besseren Lesbarkeit wegen ist im Folgenden mit der durchgängig verwendeten maskulinen Form auch die feminine gemeint, sofern nicht im Text eine ausdrückliche Unterscheidung vorgenommen wird.

[3] Bei der Bezeichnung „Geprüfte unabhängige Hilfsmittelexperten / Case Manager“ handelt es sich nicht um eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Allerdings ist die Verwendung dieser Bezeichnung zusammen mit dem Logo (siehe Anlage 2) eine geschützte Wort-Bildmarke. Die Verwendung der Wort-Bildmarke ist an eine vertragliche Anerkennung der Marke (Lizenzvertrag), die Mitgliedschaft im Netzwerk – und diese wiederum an die Bereitschaft zur Einhaltung dieser Verpflichtung – geknüpft.

[4] siehe Anlage 1

Ihr Name Empfänger Name
Ihre E-Mail Empfänger E-Mail
Ihre Nachricht

Service

Sie benötigen Beratung oder Hilfe?

Universität Witten/Herdecke
Zentrum Weiterbildung
Alfred-Herrhausen-Str. 44
58455 Witten
Tel.: +49 (0)2302 / 926-757
zwb@uni-wh.de


Kooperationspartner:

PartnerPartnerPartner